Karbachs Pech: Puttkammers Elfer klatscht an die Latte
Rheinlandliga Linker Außenverteidiger des FCK untröstlich nach Fehlschuss beim 0:0 vor knapp 300 Zuschauern gegen Tabellenführer Rot-Weiß Koblenz
Von unserem Mitarbeiter
Alfons Benz
M Emmelshausen. Untröstlich stand Tim Puttkammer, Linksverteidiger des FC Karbach, am späten Samstagnachmittag auf dem Rasen im Emmelshausener Stadion und auch die aufmunternden Worte seiner Mitspieler konnten seine Tränen nicht aufhalten. Ausgangspunkt für diese menschliche Regung des jungen Karbachers war die 50. Minute in der Heimpartie des FCK in der Fußball-Rheinlandliga gegen den Tabellenführer Rot-Weiß Koblenz, die mit 0:0 endete. Die Koblenzer wurde gestern an der Spitze vom SV Mehring abgelöst, der mit 3:2 in Linz gewann.
Daran, dass es vor knapp 300 Zuschauern bei diesem torlosen Unentschieden bis zum Schlusspfiff geblieben war, hatte Puttkammer vorher einen ungewollt großen Anteil gehabt. Womit wir wieder bei besagter 50. Minute wären: Der Koblenzer Patrick Wagner-Galda hatte Karbachs Angreifer Oscar Feilberg nach einer Flanke von Mirko Bernd mit einem kräftigen Schubser im Strafraum elfmeterreif von den Beinen geholt und Schiedsrichter David Bittner zeigte unweigerlich auf den Elfmeterpunkt. Selbstsicher schnappte sich Puttkammer die Kugel, setzte sie aber an das Lattenkreuz des vom 2,03 Meter langen Torhüter Jost Becker bis dahin und auch danach sicher gehüteten Koblenzer Gehäuses. Mag sein, dass es der Schütze ob des von Becker mächtig ausgefüllten Rechtecks vor ihm zu genau machen wollte, und sich deshalb das äußerste obere Eck des Kastens ausgesucht hatte. Dabei verfehlte er das Ziel um einige Zentimeter. „So ein Mist“, tobte FCK-Trainer Torsten Schmidt an der Außenlinie, der in dieser Szene lieber Bernd am Strafstoßpunkt gesehen hätte: „Meiner Meinung nach haben wir damit den Sieg verschenkt.“
So Unrecht hatte er damit sicherlich nicht. Während seine Elf die Anfangsphase des Spiels klar bestimmte, war der Gast etwa ab der 20. Minute besser, sorgte aber lediglich bei Standardsituationen für etwas Torgefahr. Die beste Chance vereitelte Karbachs Keeper Florian Bauer, als er einen Kopfball von Alexander Borchert aus dem unteren Eck fischte (30.).
Nach der Pause sahen die Zuschauer in einer guten und temporeichen Partie einen offenen Schlagabtausch, in dem zwei starke Mannschaften zu verteilten Spielanteilen kamen – jedoch blieben gefährliche Torszenen aus, da beide Teams ihre Tor gut verteidigten. Bauer musste aber noch einmal in höchster Not gegen den Koblenzer Cihan Akkaya retten (54.). Gegen Ende der Partie wurde es immer hektischer, verbale Gefechte, Geschubse und Gerangel auf dem Rasen häuften sich. Wobei dem Unparteiischen ab und an der richtige Überblick verloren gegangen war.
„Dass in so einem Spiel viele Emotionen drin sind, ist doch klar. Dass das bei Karbach immer so sein soll, davon hatte ich vorher schon gehört. Dafür war es aber insgesamt doch ein faires Spiel“, sagte Trainer Michael Maur, der mit seinem für einen Aufsteiger illustren 30-Mann-Kader weiter ohne Niederlage bleibt. Gleichzeitig war er mit seiner Mannschaft zufrieden: „Die Leistung war klasse. Wir hatten immerhin einen Gegner, der ganz vorne mitspielen will.“ Auch sein Gegenüber Schmidt war mit der Leistung seiner Mannen einverstanden und hatte eine deutliche Steigerung gegenüber den Spielen zuvor gesehen: „Fußballerisch brauchen wir uns nicht zu verstecken. Diese Begegnung war letztlich aber von beiderseitigem Respekt voreinander geprägt. Schade, dass wir es neben dem verschossenen Elfer in der ersten Viertelstunde verpasst haben, ein Tor zu machen.“
Karbach: Bauer – Jakobs, Hammes, Felgner, Puttkammer, Cevik, Ströter, Bernd (85. David), Rahic (71. Reiner), Feilberg, Schinnen.
Koblenz: Becker – Borchert, Gruber, Cift, Wagner-Galda (70. Grasmik), Bigün (76. Schnug), Yilmaz, Rawicki, Akkaya, Lazarevic, Schmidt.
Schiedsrichter: David Bittner (Neuerburg).
Zuschauer: 292.
Beste Spieler: Bauer, Hammes, Feilberg – Becker, Cift, Akkaya .
Besonderheiten: Puttkammer (Karbach) schießt Foulelfmeter an die Latte (50.).
Nächste Aufgabe für Karbach: am Samstag (15 Uhr) in Nentershausen bei den Sportfreunden Eisbachtal.
Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Montag, 31. Oktober 2011
Ein Endspiel in zweierlei Hinsicht für Karbach
Rheinlandliga FCK empfängt am Samstag um 16 Uhr Rot-Weiß Koblenz – Letztmals im Exil Emmelshausen – Nur bei Sieg bleibt Platz eins in Sichtweite
M Karbach. Es ist noch nicht einmal November und der FC Karbach könnte schon die Fußball-Oberliga aus den Augen verlieren: Muss sich der FCK am Samstag (16 Uhr) dem Rheinlandliga-Tabellenführer Rot-Weiß Koblenz geschlagen geben, beträgt der Rückstand auf Rang eins zehn Punkte. Bei einem Sieg sähe die Sachlage natürlich ganz anders aus. Keine Frage, es ist ein Endspiel für Karbach – nicht nur, weil es die letzte Partie im Exil Emmelshausen sein wird.
Zum siebten und letzten Mal läuft der FCK ins Emmelshausener Stadion ein. Die Bilanz liest sich gut: Sechs Spiele, vier Siege, keine Niederlage. Auch sonst musste Karbach keine Nachteile durch den Umzug in Kauf nehmen. „Natürlich war der logistische Aufwand größer, aber wir hatten keine Einbußen“, sagt der Vorsitzende Daniel Bernd.
Auch Trainer Torsten Schmidt ist gerne im Stadion zu Hause gewesen: „Das war ausnahmslos positiv. Wir sind sehr froh darüber, dass wir da spielen und einmal die Woche trainieren konnten. Die Zuschauer haben es angenommen, vielleicht waren sogar ein paar mehr da als auf dem Quintinsberg.“ Das stimmt: In der Vorsaison hatte der FCK auf eigenem Terrain einen Schnitt von 220 Zuschauern, in den sechs Partien in Emmelshausen passierte durchschnittlich 300 Fans das Stadiontor. Gegen Rot-Weiß Koblenz dürfte der Schnitt in die Höhe getrieben werden.
In zwei Wochen, wenn der SV Mehring kommt, kehrt der FCK auf den Quintinsberg zurück, weil das Stadion traditionellerweise ab dem 1. November gesperrt wird. Karbach bestreitet bis zum Winter seine Heimspiele auf dem eigenen Hartplatz, im neuen Jahr geht es dann auf den restaurierten Rasen.
Zurück zum Endspiel gegen Rot-Weiß: Der Aufsteiger steht an der Tabellenspitze und hat noch kein Spiel verloren. „Ich kann es nachempfinden, wie es ist, wenn man als Aufsteiger plötzlich ganz vorne liegt“, sagt Schmidt. „Dann setzt man ungeahnte Kräfte frei.“ Schmidt führte den FCK von der B-Klasse schnurstracks in die Rheinlandliga. Für die Koblenzer könnte die Rheinlandliga nur Durchgangsstation sein. „Man muss sich nur anschauen, wer bei Rot-Weiß alles spielt, dann sieht man, wie stark sie sind“, sagt Schmidt über den 30-Mann-Kader von seinem Kollegen Michael Maur, der es immer wieder schafft, alle Spieler bei Laune zu halten. Bei Rot-Weiß ist scheinbar alles vorhanden: Quantität, Qualität und die nötige Routine, für die Ex-Oberliga-Kicker wie Fatih Cift, Andreas Gruber, Nenad Lazarevic, Cihan Akkaya und Patrick Wagner stehen.
Für Rot-Weiß-Trainer Maur ist die Ausgangslage jedenfalls klar: „Karbach hat sich in dieser Saison viel vorgenommen und wäre bei einer Niederlage aus dem Kreis der Titelanwärter zunächst ausgeschieden.“ Zu seiner Elf sagt Maur: „Wir haben bisher deutlich mehr erreicht als vorgenommen und gehen ohne Druck in das Spiel. Der Druck liegt eindeutig beim Gegner.“ Vom Titel hat Torsten Schmidt nie geredet, das möchte er betonen: „Wir wollen unter die Top 6. Über Platz eins nachzudenken, ist für uns momentan vermessen.“
Das 0:2 in Malberg hat Spuren hinterlassen. Schmidt ärgert sich über seine Mannschaft: „Meine Jungs müssen verstehen, dass Fußball nicht nur aus guten Pässen besteht, sondern dass man auch für andere kämpft.“ Schmidt legt nach: „Wenn ich sehe, dass sich alle zerreißen auf dem Platz, kann ich alles akzeptieren. Auch eine Niederlage. Aber wenn einer nur 70 oder 80 Prozent gibt, dann muss die Frage erlaubt sein, ob wir das in Karbach verkörpern wollen.“Auch Patrick Schmidt bekommt sein Fett weg. Der Kapitän hatte nach einem groben Foul in Malberg Rot gesehen. „Das war eine dumme Aktion“, findet Trainer Schmidt klare Worte. „Ich hatte in der Halbzeit mehr Aggressivität gefordert, Patrick hatte das wohl falsch verstanden.“ Eine Sperre steht noch aus, aber Schmidt wird dem FCK nicht nur gegen Rot-Weiß, sondern wohl auch in Eisbachtal und gegen Mehring fehlen.
Weitere Personalien: Neben Schmidt fallen die Langzeitverletzten Sven Schindel, David Eberhardt und Andreas Oberreiter aus, der Rest ist an Bord. In der Innenverteidigung wird es eine Änderung geben. Andy Felgner bleibt im Abwehrzentrum, Chris Ströter tauscht dagegen mit Jan Hammes die Position und kehrt ins defensive Mittelfeld zurück. Bleibt die Frage: Wer geht ins Tor? Zuletzt wechselten sich Lukas Schmitt und Florian Bauer ab. „Ich habe zwei gute Torleute, einer von beiden wird spielen“, lässt sich Schmidt nicht in die Karten blicken.bon
Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Freitag, 28. Oktober 2011